Saarland: Metallpräsident Bubel zum Pilotabschluss in der Metall- und Elektroindustrie

Saarbrücken, 21. Mai 2012. - Im Rahmen der Jahresmitgliederversammlung des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes nahm Verbandspräsident Oswald Bubel Stellung zum Pilotabschluss für die Metall- und Elektroindustrie vom vergangenen Samstagmorgen: „Die Tarifpartner in Baden-Württemberg haben hart miteinander gerungen und das Ergebnis trägt die typische Handschrift eines Kompromisses. Die hohe Entgeltforderung sowie die qualitativen Forderungen nach Übernahmeverpflichtung von Ausgebildeten und nach Mitspracherechten beim Einsatz von Zeitarbeitern lagen hart an der Grenze der Überforderung der Unternehmen.“ Zunächst zeigte Bubel sich zufrieden, dass eine Eskalation des Arbeitskampfes vermieden wurde. Den hätte die Branche in der abflauenden Konjunktur nur schwer verkraftet.

Zum Abschluss selbst sagte Bubel: „Mit der Lohnerhöhung sind die Arbeitgeber an die obere Grenze der Belastbarkeit gegangen, bei Azubi-Übernahme und Zeitarbeit wurde die unternehmerische Freiheit gewahrt.“ Bubel weiter: „Mit der vereinbarten Entgelterhöhung von 4,3 Prozent erhalten die Beschäftigten ein deutliches Reallohnplus. Mit diesem Entgeltabschluss partizipieren sie am Erfolg der M+E-Industrie auf den internationalen Märkten.“ Für die Betriebe bedeute der Abschluss im laufenden Jahr Mehrkosten von 3,4 Prozent. Das überziehe zunächst den Verteilungsspielraum und sei ein Ausdruck des Vertrauens in die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Zugleich stelle diese hohe Zahl auch einen Wechsel auf die Zukunft dar. „Wir müssen nun hoffen, dass die Entwicklung in unserer Branche wieder steil nach oben geht, um diese Kosten aufzufangen. Dabei dürfen uns Finanzmärkte und Eurozone keinen Strich durch die Rechnung machen“, sagte Bubel.

Beim Streitpunkt Zeitarbeit sei ein schwieriger Spagat gelungen. In den ersten zwei Jahren kann weiterhin jeder Betrieb selbst entscheiden, ob und wie er Zeitarbeitnehmer einsetzen möchte. Damit bleibe die betriebliche Handlungsfreiheit auch künftig erhalten. Umgekehrt erhielten Zeitarbeitnehmer, die länger als 24 Monate beim gleichen Kunden tätig sind, ein Übernahmeangebot. Eine tarifliche Öffnungsklausel ermögliche es den Betriebsparteien zukünftig, den Einsatz von Zeitarbeitern an die individuellen betrieblichen Bedürfnisse anzupassen. „Falls die Zeitarbeit, also die externe Flexibilität, dabei eingeschränkt wird, wird man im Gegenzug mehr Spielraum bei der internen Flexibilität, insbesondere bei der Gestaltung der Arbeitszeit, vereinbaren müssen“, so Bubel.

Mit den Vereinbarungen für die Jugendlichen habe die M+E-Industrie eine doppelte Antwort auf den wachsenden Fachkräftebedarf der Unternehmen gefunden. Zum einen gehe es darum, Fördermodelle zu entwickeln, um benachteiligte Jugendliche fit für eine reguläre Ausbildung zu machen. Zum anderen erhielten die neuen Facharbeiter, die ausgebildet wurden, weil die Unternehmen sie bräuchten, ein unbefristetes Stellenangebot. „Damit zeigen wir, wie attraktiv unsere Branche ist und welche Perspektiven sie bietet. Entscheidend für die Übernahme-Vereinbarung ist, dass der Arbeitgeber seinen Bedarf selbst festlegt und dadurch auch bestimmt, wie viele Jugendliche nach der Ausbildung unbefristet übernommen werden. Die unbefristete Übernahme ist wie bisher auch der betriebliche Normalfall. Für welche und wie viele Ausgebildete sie gilt, bestimmt allein der Arbeitgeber. Denn nur so erhalten wir die Motivation der Auszubildenden und der Betriebe“, sagte Bubel.

Man werde nun auf Grundlage des Pilotabschlusses in Baden-Württemberg mit der IG Metall versuchen, eine Lösung für den Tarifbezirk Saarland zu finden. Dazu seien bereits auf Ebene der Verhandlungsgemeinschaft M+E MITTE (Saarland, Hessen, Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Thüringen) mit der IG Metall Bezirksleitung Frankfurt für Dienstag, 22. Mai 2012, Tarifverhandlungen vereinbart.